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X.commerce

Mit dem open commerce ecosystem „X.commerce“ möchte eBay ein plattformübergreifendes und anpassbares System zur Erstellung von Online Shops und eCommerce Plattformen anbieten. Das größte Onlineauktionshaus der Welt besitzt neben der Hauptplattform „eBay“ mehrere Unternehmen aus der eCommerce-Branche, die es mit der Zeit aufgekauft und in das X.commerce-System integriert hat. Dazu gehören namhafte Unternehmen wie beispielsweise PayPal, Magento oder GSI-Commerce, die jeweils unterschiedliche Funktionen im eCommerce einnehmen.

Integrierte eBay-Tochterfirmen

Das einflussreichste Unternehmen ist dabei sicherlich PayPal, welches Überweisungen von PayPal-Konten zu anderen PayPal-Nutzern über virtuelle Konten ermöglicht. PayPal selbst ist bei sehr vielen eCommerce-Plattformen, wie eBay, integriert.

Magento ist laut einer Studie das derzeit beliebteste eCommerce-System der Open Source Plattformen. Meist wird es für die Erstellung von Online Shops verwendet. Aufgrund seiner Funktion als umfangreiche selbständige eCommerce-Plattform ist Magento eines der wichtigsten Services von X.commerce. Wegen der hohen Bekanntheit und Verwendung von Magento, ist die X.commerce-Schnittstelle für Nutzer attraktiv, die weitere Services zu ihrer(vorhandenen) eCommerce-Plattform hinzufügen möchten. Magento stellt wegen seiner hohen Verbreitung und zentralen Funktion ein wichtigstes Wachstumspotenzial für X.commerce dar.

GSI-Commerce bietet ebenfalls ein E-Commerce System auf Open Source Basis an und ist laut derselben Studie auf Platz 27 der meist verwendeten Shopsysteme. Das Unternehmen ist auch an weiteren Wertschöpfungsprozessen seiner Kunden, wie dem Customer Service und Marketing, beteiligt. Zudem hat sich GSI-Commerce besonders auf sogenannte Brick and Mortar Kunden, die Online sowie Offline ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen, spezialisiert.

Übersicht über integrierte Firmen aus dem Ebay-Konzern

Schnittstellen zu Services externer Anbieter

Services der eBay-Töchter als auch die Services externer Anbieter, wie von Adobe und facebook, sind Bestandteil der X.commerce-Plattform. X.commerce möchte es ermöglichen, über eine zentrale Schnittstelle sämtliche Services verschiedener Anbieter zu Verfügung zu stellen, sodass der Kunde nicht mehr manuell für die Integration von verschiedenen Diensten auf seiner eCommerce-Website sorgen muss. Die Integration und Konfiguration der Services erfolgt zentral über die X.commerce-Schnittstelle.

Zwar bieten diverse Shopsysteme beispielsweise die Integration von Paypal-Zahlungsmethoden an, nicht jedoch die Möglichkeit Produkte neben dem Shop auch gleichzeitig über den eBay Marketplace zu vertreiben und somit die Absatzkanäle zu erweitern. Die große Anzahl an verfügbaren und namenhaften Services die X.commerce anbietet als auch das Konzept einer zentralen Schnittstelle ist bisher einzigartig. eBay erhofft sich, dass dieses innovative System viele Nutzer gewinnen kann. Die wichtigsten Service-Provider der X.commerce Schnittstelle sind folgend aufgeführt.

Übersicht über externe Service Provider

Überblick über das X.Commerce Ecosystem

Folgende Abbildung stellt das X.commerce-System vereinfacht dar.

Das X.Commerce Ecosystem. Quelle: gigaom.com

Wie die Abbildung auch andeutet, sind die Trends der letzten Jahre „social, mobile und local“ durch verschiedene Services in X.commerce integriert. Das social Network Facebook beispielsweise bietet dem Nutzer Funktionen an, die er auf seiner Website integrieren kann. Über das mobile Zahlungssystem, das die eBay-Tochter „Zong“ anbietet, können Konsumenten über ihr Smartphone Zahlungen, hauptsächlich micropayments, vornehmen, die insbesondere für virtuelle Güter gedacht sind. Milo wiederum ermöglicht diverse local services. So kann der Kunde ein Produkt online kaufen, welches er dann im stationären Handel beim Verkäufer abholen kann. Zudem bietet Milo die Möglichkeit, Produkte über ein Smartphone zu scannen, um Preisvergleiche bei lokalen Geschäften durchzuführen und um sich über die Verfügbarkeit von Produkten zu informieren.

Schnittstelle für Service Entwickler

Die X.commerce Schnittstelle bietet sowohl den Betreibern von eCommerce-Plattformen Vorteile als auch den Entwicklern von Services.

Wie bereits erwähnt, gestaltet sich die Integration von mehreren unterschiedlichen Services für eine eCommerce-Website durch die Nutzung der X.commerce-Schnittstelle leichter. Dieses Feature wird im X.Commerce-Umfeld „the Fabric“ genannt. Möchte der Betreiber einen Online Shop über Magento erstellen und dafür ebenfalls den Payment Service Zong anbieten, so muss dieser sich keine Gedanken mehr darüber machen, wie die technische Integration auszusehen hat. Er kann die Konfiguration über die zentrale Schnittstelle vornehmen.

Die Entwickler von Services können mit der X.commerce Plattform einen weiteren Absatzkanal gewinnen. Insbesondere bei einer großen Anzahl an Nutzern von X.commerce können Kunden auf die Leistungen aufmerksam gemacht werden. Außerdem entfällt für die Entwickler die Problematik, individuelle Lösungen für die Kunden zur Verfügung stellen zu müssen, da eine zentrale Schnittstelle vorhanden ist. Die Services brauchen aus Entwicklersicht primär auf die Funktionalitäten und Eigenschaften der X.commerce Schnittstelle angepasst werden. Die folgende Abbildung soll dies verdeutlichen:

Das X.Commerce Integration Framework.
Quelle: Slideshare-Präsentation „X.commerce Platform Overview“

Fazit

Es bleibt abzuwarten, wie die Unternehmen X.commerce annehmen werden. Einige größere eCommerce Unternehmen wie ToysRUs nutzen bereits dieses System. Für etablierte und langjährig integrierte eCommerce-Websites, die viel Geld für ihre Systeme ausgegeben haben, kann es sich um eine kostspielige und womöglich überflüssige Anpassung handeln, eine neue Schnittstelle über die X.commerce Plattform zu entwickeln. Ebenfalls überflüssig kann der Nutzen für kleinere eCommerce-Betreiber sein, die auf nur einen (bspw. eBay Marketplace) oder wenige Services angewiesen sind. Das Kosten-/Nutzen-Verhältnis sollte vor einem Einsatz dieses Systemes daher überprüft werden.

Eine Alternative für die Erhöhung der Absatzkanäle für Shopbetreiber kann der Vertrieb über Online Marktplätze wie Amazon Marketplace oder OTTO.de darstellen. Durch die zunehmend leichtere Anbindung an Marktplätze durch Marktplatzadapter wie Tradebyte oder TheBakery ist womöglich der Kostenaufwand geringer als der Launch einer neuen eCommerce-Plattform mit X.commerce. Ähnlich funktioniert der Vertrieb über Intermediäre wie yalook oder guenstiger.de. Sie beschränken sich auf die Vermittlung von Produkten und Dienstleistungen von Anbietern auf einer zentralen Plattform und bieten dem Kunden in der Regel einen Mehrwert durch eine Segmentierung auf ein Themengebiet oder einem zusätzlichen Service wie dem Preisvergleich. Die Online Markplätze und Intermediäre beschränken sich jedoch primär auf den Vertrieb von Produkten, wodurch andere Funktionalitäten wie das Einbinden von social network- oder local services in der Regel durch die Shopbetreiber nicht beeinflussbar sind. Insgesamt bieten die Marketplaces daher weniger Individualisierungsmöglichkeiten und dienen (nur) als zusätzliche und eher statische Vertriebswege.

Quellen:
http://www.x.com
http://www.internetworld.de/Nachrichten/E-Commerce
http://www.practicalecommerce.com/articles/3082-X-commerce-An-eBay-PayPal-Magento-Ecosystem-
http://x.aheadworks.com
http://gigaom.com/2011/10/12/with-x-commerce-ebay-eyes-a-bigger-prize-as-sales-enabler

Dieser Blogartikel wurde im Rahmen der Vorlesung E-Commerce-Systeme im Sommersemester 2012 erstellt. Unter Anleitung von Prof. Dr. Holger Schneider haben die Studierenden sich mit einem ausgewählten Thema näher befasst, eine kurze Präsentation im Rahmen der Vorlesung gehalten und einen Blogbeitrag für WebZapper geschrieben. Inhaltlicher Stand ist jeweils Juni 2012.
Weitere Informationen zur Beitragsreihe „E-Commerce-Systeme“ findest Du hier.
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